HD Hund

HD beim Hund

HD beim Hund

Wofür steht dieser Begriff eigentlich genau?

Eine HD beim Hund bedeutet, dass das Hüftgelenk, in das der Kopf des Oberschenkels gut hinpassen soll, leicht oder stark abgeflacht ist. Ausgeschrieben bedeutet der Begriff Hüftgelenksdysplasie. Mit anderen Worten: Eine Fehlstellung des Hüftgelenks.

Eine Hüftgelenksdysplasie oder auch Hüftdysplasie wird in verschiedene Grade eingeteilt:

  • A=HD frei bzw. keine Hinweise auf eine HD
  • B=Übergangsphase, Grenzfall
  • C=Leichte HD
  • D=mittelgradige HD
  • E=schwere HD

Übrigens, die erste Hüftgelenksdysplasie wurde beim Deutschen Schäferhund diagnostiziert. Doch andere Hunderassen sind ähnlich häufig, teilweise sogar noch häufiger betroffen. Und auch der Mensch kann unter einer Hüftdysplasie leiden. Ja, es trifft sogar Katzen. Die Main Coon-Katze z.B. leidet wesentlich häufiger an dieser Fehlstellung als der Deutsche Schäferhund. Nur ist sie bei einer deutlichen leichteren Katze halt nicht so dramatisch.

Ursachen für eine HD beim Hund

Züchten mit Hüftgrad C!

Ein wichtiger Aspekt ist hier leider nach wie vor die Züchtung. Grundsätzlich ist es noch erlaubt, mit Hüftgrad C zu züchten. Manche Zuchtverbände schließen schon von sich heraus diesen Hüftgrad für eine Züchtung aus. Aber der übergeordnete VDH, der Verband für das Deutsche Hundewesen, akzeptiert grundsätzlich noch ein C. Also ein Hüftgelenk mit einer leichten HD. Und das Blöde dabei ist halt, dass HD nunmal erblich ist.

Doch auch wenn die Vorfahren deines Hundes HD haben sollten: Du kannst es noch beeinflussen, ob und wie stark sich diese Erkrankung bei deinem Hund niederschlägt.

Die Ernährung innerhalb der Wachstumsphase

Die Menge

Es gibt eine ganze Reihe von Studien rund um das Thema HD beim Hund. So z.B. auch, was für Auswirkungen unterschiedliche Fütterungen auf die Entwicklung einer Hüftdysplasie haben können. Und zwar während der Wachstumsphase. Als besonders kritisch werden hier die ersten 60 Lebenstage angesehen.

Im Rahmen der Studien gab es hauptsächlich 2 Ernährungsformen:

  • ad libitum, also vollkommen beliebig, nach Gutdünken
  • restriktiv, d.h. 75% der üblichen Ration

In den meisten Fällen waren die Hunde, die innerhalb der kritischen Phase restriktiv gefüttert wurden, weniger von HD betroffen.

Bei den Rassen handelte es sich in erster Linie um Hunde, die extrem großwüchsig und anfälliger für eine Hüftdysplasie waren als andere Rassen.

Das Problem ist, dass die Hunde innerhalb kurzer Zeit extrem stark wachsen. und dieses Wachstum findet hauptsächlich in der Muskulatur und im Fettgewebe statt. Und das Skelett kommt nicht so ganz hinterher. Es wächst natürlich auch und auch richtig schnell. Aber eher in der Länge und in der Größe. Weniger in der Festigkeit. Das Gleiche gilt für die stark beanspruchten Gelenkknorpel. Die Knorpelzellen werden meist langsamer gebildet. Gelenkprobleme können daher eine häufige Folge sein.

Zitat “Die Hüftgelenksdysplasie des Hundes” von Sylvia M. Linnmann, Seite 89: “Eine Wachstumsbeschleunigung durch eine Überfütterung großwüchsiger Rassen stellt nach Meyer u. Zentek vermutlich den wichtigsten Faktor für die Entstehung orthopädischer Entwicklungsstörungen beim Hund dar.

Falls du dich hier einlesen willst: Es gibt auch einige Studien, die keinen Unterschied feststellen können. Aber dann gab es meist keine so große Unterschiede bei der Fütterung. Oder die Studie wurde nicht in der besonders wachstums-kritischen Zeit durchgeführt.

Die Zusammensetzung des Futters

Eine wichtige Rolle für eine gute Entwicklung des Hundeskeletts spielt das Verhältnis zwischen den Mineralstoffen Phosphor und Kalzium. Hierzu findet man Informationen von 1:1 bis hin zu 1:1,6. Also ein Teil Phosphor und  ein Teil bis hin zu 1,6 Teile Kalzium. Mittlerweile geht man im Großen und Ganzen von einem Verhältnis von etwa 1:1,2 aus.

Im Fertigfutter jedenfalls ist eine Unterversorgung an Kalzium nahezu ausgeschlossen. Allerdings kann es schon mal zu einer Überversorgung kommen. Achte also unbedingt darauf, was auf der Packung steht!

Da Phosphor in Fleisch, in Knochen und auch in Getreide zu finden ist, ist ein Mangel schwer zu erreichen. Auch, wenn du die Futterbestandteile für deinen Hund selbst zusammenstellen möchtest.

Doch ist hier natürlich die Expertise von jemanden gefragt, der sich richtig gut auskennt: Willst du also deinen Welpen oder Junghund mit selbst zusammengestellten Rationen füttern, dann informiere dich unbedingt bei einem Experten bzw. einer Expertin! Und das ist z.B. Swanie Simon, die das Thema Barfen von den USA nach Deutschland gebracht hat. Mehr zu diesem Thema kannst du in dem Blog-Post Hund barfen nachlesen.

Oder gleich ihren günstigen Ratgeber bestellen:

HD beim Hund: Zu viel Bewegung in der Wachstumsphase!

Hunde im Käfig

In den 60er Jahren gab es ein paar gruselige Versuche. Da hat man Hunde, die von ihrer Genetik eine Hüftdysplasie hätten ausbilden müssen in Käfige gesperrt. Und die Hunde haben die meiste Zeit bis zu ihrem sechsten Lebensmonat im Sitzen verbracht. Im Anschluss daran wiesen die Hüftgelenke eine normale Entwicklung auf. Maximal kam es zu einer leichten HD.

Nun, das ist natürlich extrem und tierschutzrelevant. Aber: Mit zu viel oder weniger Bewegung kannst du beeinflussen, ob und wieweit sich eine HD ausbildet.

Welche Bewegung, um das Risiko für eine HD beim Hund zu reduzieren?

Bewege deinen Hund möglichst gleichmäßig und vermeide extreme Dauerbelastungen, die das Hüftgelenk stark beanspruchen. Das sich in dieser Wachstumsphase ja noch nicht komplett ausgebildet und gefestigt hat.

Was heißt das nun konkret?

  • Bewegung hauptsächlich auf weichen Böden
  • Aufziehen des Welpen nicht auf glatten Böden!
  • Den Hund maximal seinen eigenen Bewegungsdrang ausleben lassen
  • Kein Hinterhertoben von Bällen mit Spurts und abrupten Stopps!
  • Kein (sehr langes) Laufen am Rad. Und wenn, dann auf weichem Boden!
  • Kein zu frühes Training im Rahmen einer Schutzhundausbildung
  • Die Muskulatur durch gleichmäßige Bewegung (Spaziergang an der Leine) aufwärmen, bevor sich dein Hund intensiver bewegt.
  • Muskulaturaufbau durch Schwimmtraining (idealerweise mit Schwimmweste)
  • Förderung von Kopfarbeit und damit Auslastung deines Junghundes

Das Hinterhertoben von Bällen kann die Ausbildung einer HD begünstigen. So kam im Rahmen einer Besitzerbefragung ans Licht, dass 54% der Hund mit einer Dysplasie tobten regelmäßig einem Ball hinterher. Von den Hunden ohne Hüftgelenksdysplasie übten nur 35% dieses Hobby aus.

In dem bereits erwähnten Buch “Die Hüftgelenksdysplasie des Hundes” von Sylvia M. Linnmann steht auf Seite 99, Zitat: “Um den ungünstigen Umwelteinfluss an der Ausbildung einer HD zu minimieren, raten auch Vezzoni u.a., 2005., zu einer kontrollierten Bewegung, wobei Spaziergänge an der Leine bevorzugt, jedoch Spiele, Springen und Rennen begrenzt sowie freies Laufen in weitem, offenen Gelände vermieden werden sollten. Denn eine übermäßige, unkontrollierte Bewegung könne eine schwerere und schnellere Entwicklung des Dysplasie begünstigen. Zudem solle die muskuläre Entwicklung wann immer möglich durch Schwimmen gefördert werden.”

Meine Meinung dazu: Hier gilt es echt abzuwägen! Ich finde, Spielen, Toben und Rennen gehören zum Junghunddasein dazu. Spielen mit Hundekumpels, sich ausprobieren, Kräfte messen. Natürlich im Rahmen und nach eigener Bewegungslust. Nach einem Aufwärmen und – ganz, ganz wichtig – ohne Ballspielen!

Welchen Einfluss kann eine Kastration auf die Entwicklung einer HD beim Hund haben?

Zu nennen sind hier hauptsächlich zwei Ursachen:

  • Eine Gewichtszunahme durch die Kastration
  • Eine zu frühe Kastration

Gewichtszunahme

Durch eine Kastration wird der Hund ja praktisch in die Wechseljahre katapultiert. Mit all seinen Folgen. Z.B. auf den Stoffwechsel. Der Hund hat nun einen geringeren Nahrungsbedarf. Doch nicht immer wird die Ration entsprechend vom Besitzer angepasst. So kann der kastrierte Hund schnell zunehmen. Das wird als Ursache für ein erhöhtes Auftreten einer Hüftdysplasie bei kastrierten Hunden gesehen.

So gab es z.B. eine Studie mit Boxern (van Hagen et al., 2005), bei der sich eine 1,5x so hohe Wahrscheinlichkeit für eine HD zeigte.

Eine zu frühe Kastration

Ein weitere Ursache kann eine zu frühe Kastration sein. Also in einem Zeitraum, in der sich Knochen und Gelenke noch entwickeln. Wird kastriert, bevor der Wachstumsprozess abgeschlossen ist, wird eine normale Entwicklung von Knochen und Gelenken erschwert. Hierzu gibt es auch Studien.

In dieser Studie wurden Golden Retriever und Labrador Retriever erfasst. Die frühe Kastration vor Beendigung der Wachstumsphase wurde nochmal unterteilt:

  • Kastration in der Zeit bis zum 6. Monat: Ein 4-5x häufigeres Risiko einer HD als bei intakten Hunden
  • Kastration in der Zeit vom 6.-12. Monat: Ein etwa doppelt so großes Risiko einer HD als bei intakten Hunden

Hier ging es speziell um die Golden Retriever.

Nachlesen kannst du die Studie hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4096726/

Welche Hunde sind nun von einer HD am stärksten betroffen?

Nein, es ist nicht der Deutsche Schäferhund! Grundlage für die folgende Liste ist eine Tabelle der Orthopedic Foundation for Animals (OFA). Dort sind über 1 Million Hunde mit 162 verschiedenen Hunderassen erfasst worden.

  1. Englische Bulldogge: 72,1% von 506 Hunden dysplastisch
  2. Mops: 66,0% von 441 Hunden dysplastisch
  3. Bordeauxdogge: 56,7 von 406 Hunden dysplastisch

Die vorher erwähnte Main Coon Katze steht übrigens auf Platz 25, der Golden Retriever auf Platz 32 und der Deutsche Schäferhund auf Platz 40. Es wurden 1.073 Main Coon Katzen bewertet, über 130.000 Goldies und mehr als 1 Million Deutsche Schäferhunde!

Andersherum hatten von 164 bewerteten Italienischen Windspielen 0% eine dysplastische Hüfte, von 263 Deutschen Pinschern waren es 1,2% und von 162 Whippets waren es 1,3%.

[Quelle: Die Hüftgelenksdysplasie des Hundes, Sylvia M. Linnmann]

Und welche Hinweise deuten auf eine HD beim Hund hin?

Du hast vielleicht einen Golden Retriever und er ist nicht mehr so fit, obwohl er noch in den besten Jahren ist? Was kann auf eine HD hindeuten?

  • Zehen schleifen: Schau mal, ob die Krallen vielleicht ungleichmäßig abgeschliffen sind
  • Schnelles, vorzeitiges Ermüden
  • Dein Hund steht mit gekrümmtem Rücken und er verlagert sein Gewicht noch stärker nach vorn
  • Die Muskulatur an den Oberschenkeln bildet sich zurück. Taste dazu mal speziell die hintere/untere Oberschenkelmuskulatur deines Hundes ab. Knie oder hock dich dazu hinter deinen Hund und vergleiche. Am besten du tastest auch mal den fitten Hund eines Freundes/einer Freundin ab. Dann merkst du den Vergleich.
  • Mühsames Aufstehen
  • Verzögerte Sprünge oder sie werden verweigert
  • Vorzeitiges Fallen in den Trab: Im Schritt gehen ist unangenehm
  • Zögern beim Heben der hinteren Pfoten; z.b. beim Pfoten putzen
  • Steiferer Gang und was die Hinterhand angeht: Auch instabilerer Gang
  • Dein Hund steht nicht gern, sondern er setzt oder legt sich schnell hin
  • Geringere Lust, sich zu bewegen
  • Dein Hund wandert beim Kotabsatz: Die Belastung auf die Hüfte ist unangenehm
  • Beim Gehen kommt sehr viel Schwung aus der Wirbelsäule und nicht mehr aus dem Hüftgelenk (auffälliger Hüftschwung)

Diese Liste ist nicht vollständig! Wenn dir aber so einige Punkte daraus aufgefallen sind, dann gehe unbedingt ganz schnell zu einem auf Orthopädie spezialisierten Tierarzt. Zu finden ist er meist in einer Tierklinik. Hier werden alle notwendigen Untersuchungen vorgenommen.

Und wenn dein Hund HD hat: Was jetzt?

Zuerst einmal: Dein Hund kommt an einer Arthrose nicht vorbei. Wenn ein Gelenk nicht ordnungsgemäß funktioniert, dann entstehen Reibungen und Belastungen, wo sie nicht hingehören. Wenn du dich mehr über eine Arthrose beim Hund informieren willst, dann lies unbedingt meinen Blog-Post dazu.

Und nun? Einfach ein Schmerzmittel für Hunde geben und das war’s? Nein, natürlich nicht. Mittlerweile gibt es sehr viele Möglichkeiten, deinem Hund effektiv zu helfen. Vielleicht kannst du ihm in der Anfangszeit tatsächlich ein Schmerzmittel geben. Für einen kurzen Zeitraum. Und parallel dazu baust du z.B. seine Muskulatur auf. Wie? Dazu mehr in meinem Blog-Post Schmerzmittel für Hunde.

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gaby engelbart

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